DOMKE: Ikea schließt - der Strukturwandel wartet nicht

Zur Schließung des Ikea-Servicecenters in Rostock mit fast 300 betroffenen Beschäftigten erklärt René Domke, Sprecher der Gruppe der FDP im Landtag Mecklenburg-Vorpommern:

„Die Nachricht trifft fast 300 Menschen und ihre Familien hart - mitten in einer Region, in der gut bezahlte Stellen im Dienstleistungsbereich ohnehin rar sind. Das verdient Mitgefühl und Anerkennung für die Leistungsbereitschaft und Loyalität . Aber wir tun den Betroffenen keinen Gefallen, wenn wir Überraschung vorgaukeln würden, als sei die Schließung eines Callcenters zugunsten von KI und Automatisierung ein Einzelfall. Sie ist es nicht. Sie ist ein Vorbote."

"Künstliche Intelligenz verändert den Arbeitsmarkt schneller als jede politische Agenda, die ich in den letzten Jahren in unserem Landtag gehört habe. Routineaufgaben im Kundenservice, in der Sachbearbeitung, in der Verwaltung - sie werden in den nächsten Jahren in großem Umfang wegfallen. Das betrifft nicht nur Konzerne wie Ikea. Das betrifft Behörden, Versicherungen, Banken, den öffentlichen Dienst. Mecklenburg-Vorpommern, mit seiner kleinteiligen Unternehmensstruktur, einem wachsenden Anteil an Helfer- und Anlerntätigkeiten und einem Dienstleistungssektor, der stark von Tourismus und öffentlichen Diensten abhängt, wird den digitalen Strukturwandel besonders spüren."

"Die Antwort darauf kann nicht sein, den Wandel aufzuhalten. Sie muss sein, die Menschen in die Lage zu versetzen, ihn zu bewältigenDas bedeutet für die FDP erstens: Qualifizierung muss schneller und niedrigschwelliger werden. Umschulungen dürfen nicht Jahre dauern und an Bürokratie scheitern. Wer seinen Job durch Automatisierung verliert, braucht innerhalb von Monaten eine echte Perspektive, keinen jahrelangen Verwaltungsmarathon. Zweitens brauchen wir einen flexibleren Arbeitsmarkt: Arbeitszeitmodelle, die individuelle Übergänge ermöglichen, steuerliche Anreize für Weiterbildung und die Möglichkeit, schrittweise in neue Tätigkeitsfelder hineinzuwachsen, ohne sofort alles auf eine Karte setzen zu müssen. Und drittens muss das Land endlich ernst machen mit dem Aufbau wissensintensiver Arbeitsplätze - in der Wasserstoffwirtschaft, der maritimen Industrie, der Gesundheitswirtschaft und der digitalen Infrastruktur. Das sind die Bereiche, in denen Mecklenburg-Vorpommern echte Stärken hat und in denen KI eher Werkzeug als Ersatz ist."

"Was wir nicht brauchen, ist eine Landesregierung, die auf solche Nachrichten mit Betroffenheitsritualen reagiert und ansonsten weiter Bürokratie aufbautInvestoren abschreckt und die Fachkräftestrategie auf die lange Bank schiebt. Die 300 Menschen in Rostock wären ein guter Anlass, damit aufzuhören."